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E-Mobilität als Erfolgsstory? Autoservice Demmler zeigt, wie’s geht

E-Mobilität kommt – mit Folgen für die freien Werkstätten. Frank Demmler von der Mehrmarken-Werkstatt Autoservice Demmler hat sein Geschäft bereits vor Jahren erfolgreich umgestellt. Wie er das geschafft hat und welche Tipps er anderen Werkstätten gibt, erfahrt Ihr im Interview.

Herr Demmler, neben dem klassischen Werkstattgeschäft ist auch Elektromobilität seit Jahren ein zentraler Baustein Ihres Unternehmens. Wie hat sich das entwickelt?

Angefangen hat alles mit einer Anfrage der sächsischen Energieagentur. Diese hatte das Projekt „Schaufenster Elektromobilität“ gestartet, um E-Fahrzeuge auf dem Land beliebter zu machen. Daran haben wir uns beteiligt. Dabei wollten wir das ganze Spektrum der E-Mobilität abbilden, quasi von der Sonne bis zum Auto. Wir haben unser eigenes Energienetzwerk aufgebaut, mit mehreren Photovoltaikanlagen sowie einem Blockheizkraftwerk auf dem Gelände. Darüber erzeugen wir nachhaltige Energie, mit der wir Stromtankstellen für E-Fahrzeuge speisen.

Außerdem haben wir recht schnell auf die Vermietung und den Verkauf von E-Autos gesetzt. Wir sind eine freie Mehrmarken-Werkstatt und wollen das gesamte Dienstleistungsspektrum rund ums Auto anbieten – Fahrzeugvermietung und -verkauf waren also auch von Anfang an Teil unseres Geschäfts. Seit ein paar Jahren gehören nun eben auch rund 50 E-Fahrzeuge zu unserem Pool, unter anderen Tesla-Fahrzeuge mit einer Reichweite von bis zu 500 Kilometern.

 

Mit der Umstellung auf E-Mobilität mussten Sie auch in neue technische Ausstattung investieren. Was sind Ihre Tipps für andere Werkstätten, die solche Investitionen planen?

Klar, wer als Werkstatt E-Mobilität anbieten will, muss mit einigen Kosten für das Equipment rechnen. Manches kann man aber beispielsweise auch über Kooperationen abdecken, etwa mit Unternehmen für Photovoltaik oder Firmen, die Ladesäulen herstellen. Die Werkstatt stellt die E-Fahrzeuge zur Verfügung, im Gegenzug erhält man Unterstützung bei der Werkstattausstattung. Und natürlich muss man nicht alles auf einmal anschaffen. Wie bei allen anderen Investitionen gilt auch hier: Es sollte einen nicht komplett umreißen, wenn es nicht klappt.

Bildquelle: Benjamin Krohn

Bildquelle: Benjamin Krohn

Welche Rolle spielen die Mitarbeiter, wenn es um E-Mobilität in der Werkstatt geht?

Ganz klar, ohne die richtigen Mitarbeiter funktioniert es nicht. E-Mobilität ist ein sehr beratungsintensives Thema. Kunden wollen nicht nur Infos zum Fahrzeug, sondern häufig auch zu Förderungsmöglichkeiten, Ladeinfrastruktur und so weiter. Werkstätten können eine wichtige Expertenrolle einnehmen und ihr Geschäft so mit einem neuen Schwerpunkt versehen. Aber man muss Leute haben, die auch wirklich Lust darauf haben. Was man sich klar machen muss: Manche Mitarbeiter haben einfach mehr Affinität für das Thema als andere, erzwingen sollte man nichts.

Wir haben allen unseren Mitarbeitern aber die Möglichkeit geboten, E-Fahrzeuge übers Wochenende auszuleihen. So konnten sie einfach mal selbst ausprobieren, wie sich so ein Auto anfühlt und fährt. Das hat viel bewirkt.

Mein Tipp ist, einfach unternehmerisch zu denken. Hat man keinen Kfz-Mechaniker mit Elektro-Affinität in der Werkstatt, kann man beispielsweise auch einen Elektriker mit Auto-Affinität einstellen. Das hat bei uns wirklich gut funktioniert.

Übrigens: Elektromobilität ist auch ein wichtiger Faktor für die Mitarbeiter-Gewinnung. Denn damit zeigt man als Unternehmen: Wir gehen mit der Zeit. Das spricht vor allem junge Bewerber an. Wir haben Azubis bei uns, die sich nur wegen unserer E-Mobilitäts-Angebote beworben haben. Die Wirkung sollte man nicht unterschätzen.

 

Was braucht es sonst noch, um sich als Werkstatt fit für Elektromobilität zu machen?

Die richtige Einstellung! Veränderungen passieren entweder dadurch, dass sie einem von außen aufgezwungen werden, oder indem man selbst ausgetretene Pfade verlässt und sich nach neuen Möglichkeiten umsieht. Meiner Meinung nach ist der zweite Weg der bessere. Wieso also nicht einfach mal selbst in ein E-Auto einsteigen und Beschleunigung und Fahrgefühl testen? Mit Offenheit, Begeisterung und ein bisschen Pioniergeist kann man viel erreichen.

Ich selbst bin jemand, der durch Herausforderungen angezogen wird und immer Lust hat, etwas Neues auszuprobieren. Es reicht aber schon, wenn man einfach mit offenem Visier durchs Leben geht und vor neuen Chancen nicht die Augen verschließt.

 

Wie haben Sie die Kunden von Ihren Angeboten für E-Mobilität überzeugt?

Anfangs gab es sicherlich Hemmungen. Wir haben vor gut 8 Jahren angefangen E-Mobilität in unser Geschäft zu integrieren, damals wurde das Thema noch deutlich skeptischer gesehen als heute. Viel Werbebudget hatten wir auch nicht, also haben wir auf anderen Wegen versucht, Neugier zu wecken.

Wichtig ist einfach, dass man es den Kunden leicht macht. Unsere E-Fahrzeuge waren immer präsent und gut sichtbar, und zu passenden Gelegenheiten haben wir den Kunden angeboten, sie mal zu testen. Auch die Vermietung der Fahrzeuge hat viel dazu beigetragen, Hemmungen abzubauen, denn was mir gefällt, das erzähle ich natürlich gerne weiter. So haben wir mit relativ wenig Aufwand unsere Angebote beworben. Und die Tesla-Fahrzeuge tun natürlich auch ganz schön was fürs Image.

 

Erinnern Sie sich an ein besonderes Erfolgserlebnis rund um Ihr Angebot an E-Mobilitätslösungen?

Da fällt mir die Geschichte von einem Rentner ein, der sein Auto zur Inspektion vorbeibrachte. Als Reparaturersatzfahrzeug haben wir ihm ein E-Auto angeboten – von dem Vorschlag war er aber nicht sonderlich angetan. Am nächsten Tag kam er mit dem Verbrenner, den wir ihm daraufhin geliehen hatten, zurück, um sein Auto abzuholen. Der Gedanke an das E-Fahrzeug hatte ihm aber wohl keine Ruhe gelassen und er wollte dann doch mal kurz probefahren. Als er wieder ausstieg, strahlte er übers ganze Gesicht. Wir nennen das auch das „Tesla-Grinsen“. Natürlich hat er sich geärgert, dass er die Gelegenheit früher genutzt hat.

 

Haben Sie noch weitere Tipps?

Es ist wichtig, sich gut zu vernetzen. Ich gehe regelmäßig zu einem regionalen Unternehmerstammtisch und tausche mich dort mit anderen aus. Es ist hilfreich, die eigenen Ideen von einem Außenstehenden beurteilen zu lassen – und tröstend, wenn man hört, dass es auch bei anderen nicht immer perfekt läuft.

 

Was würden Sie Werkstätten sagen, die dem Thema nach wie vor skeptisch gegenüberstehen?

Gleich vorweg: Nicht jede Werkstatt muss das Thema E-Mobilität auf Biegen und Brechen umsetzen. Manche haben ihre Nische im Verbrenner-Bereich gefunden und können darauf langfristig aufbauen. Da muss jeder seinen eigenen Weg gehen. Fakt ist aber auch, dass E-Mobilität gehörig dazu beiträgt, die Kunden von der eigenen Kompetenz zu überzeugen, nach dem Motto: Wer E-Fahrzeuge reparieren kann, kennt sich mit Verbrennern erst recht aus. Grundsätzlich geht es auch nicht darum, von heute auf morgen das ganze Geschäft auf E-Mobilität umzustellen. Aber man sollte sich das Potenzial schon bewusst machen.

Dabei sein ist alles!

E-Mobilität, Digitalisierung, neue Services und mehr: Freie Werkstätten haben derzeit einige Herausforderungen zu bewältigen. Hat Euer Betrieb auch spannende Ideen oder Konzepte, um diese Themen umzusetzen? Kennt Ihr spezielle Tipps und Tricks, die Ihr mit den Lesern unseres Magazins teilen wollt? Erzählt uns davon unter info@continental-aftermarket.com

Bildquelle: Benjamin Krohn

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